Die Gemeindeschwester
ist ein interessanter, vielschichtiger Fortsetzungsroman in mehreren Büchern über die verantwortungs- und aufopferungsvolle Tätigkeit der Schwester Renate in ihrem täglichen Arbeitsumfeld für das Wohl und die Gesundheit ihrer Patienten, oft auch mit einem Augenzwinkern erzählt und geschildert.

Über erfüllte und unvergessliche Kinder- und Jugendjahre in ihrer Heimat, der Oberlausitz, wächst Renate allmählich in diesen von ihr als Bestimmung bezeichneten Traumberuf hinein. Dabei muss sie sich mit vielen komplizierten Problemen und fast unüberwindlichen Schwierigkeiten auseinandersetzen.
Das formt sie zu einer ausgeprägt, entwickelten Persönlichkeit.

Gleichzeitig sind diese Schilderungen auch einem guten Freund zum Andenken gewidmet, der an einem Krebsleiden verstarb. Deshalb soll ein Teil des Erlöses dieser verkauften Bücher die Krebsforschung unterstützen.
Von Renate Hallfarth erscheint demnächst:

Viertes Buch:
Der schönste Beruf, den ich mir denken kann: Gemeindeschwester
1.Buch

"Kinder und Jugendjahre"
Leseprobe
Die Masern

Eigentlich wollte ich aus meinem Bettchen aufstehen, aber in meinem Kopf drehte sich alles. Mein ganzer Körper war glühend heiß. Das Kopfkissen war total durchnässt. An mir war auch keine trockene Stelle mehr. Mutti kam in die Schlafstube. Sie wollte nachschauen, warum ich nicht zum Frühstück kam. Als sie mich so puterrot im Gesicht sah, sagte sie: "Um Gottes Willen, was ist denn mit dir los?" Sie nahm mich auf den Arm und brachte mich in die Wohnstube. Dort wusch sie mich von oben bis unten ganz kalt ab. Siehe da, was kam zum Vorschein? Lauter kleine rote Flecken. Immer mehr gesellten sich auf meinen Körper. Vati rief gleich den Doktor an und bat um einen Hausbesuch. Es dauerte auch nicht lange, bis es klopfte und Doktor Müller an meinem Bett stand. Der Doktor schaute auf mich herunter und sagte: "Da hast du dir ja schön die Masern eingefangen. Dazu auch noch 39,2° C Temperatur. Da musst du aber ein bis zwei Tage im Bett bleiben." Ehrfurchtsvoll bejahte ich die Aufforderung des Arztes. Ich gehorchte tatsächlich und blieb einen Tag fest liegen. Mir war gar nicht so nach Aufstehen zumute. Alle Glieder schmerzten. Ich fühlte mich so wie Oma, wenn sie sagte, mein Rheuma meldet sich wieder. Ich rührte mich nicht vom Sofa weg, sondern schlief den ganzen Tag. So etwas war man ja von mir überhaupt nicht gewohnt und es war auch noch nicht vorgekommen. Sehr oft schaute einer nach dem anderen von der Küche aus in die Wohnstube, wo sich mein Krankenlager befand, schon aus Neugier, weil es so ruhig um mich war. Doch schon am Nachmittag des Folgetages musste ich unbedingt vom Sofa auf den Sessel, wo Vater saß, einen Purzelbaum schießen und Vater ganz toll umarmen. "Es geht dir also wieder besser. Das ist aber schön", sagte Vater nach meinen akrobatischen Übungen. "Aber weißt du, was der Doktor gesagt hat? Du sollst zwei Tage liegen bleiben und einer ist ja erst um." "Ja, ja, ich weiß! Mir war aber gerade so zumute. Ich musste doch einmal ausprobieren, ob ich noch einen Purzelbaum zustande bringe." An meinem ganzen Körper juckte und krabbelte es mich so sehr, als hätte ich von meinem Kater einen Floh aufgesammelt. Es war, als ob er auf mir spazieren ging. Jedes Mal piekte es mich, wenn er eine Kurve einschlug und dabei die Notbremse zog. Vati ärgerte mich sehr gern. So sagte er, weil ich schon wieder frech unter der Bettdecke auf dem Sofa hervorschaute: "Du siehst aber heute schon wieder bepunktet aus. Man kann auch sagen, was ist denn da so klitzeklein, das kann ja nur ein neuer Sprössling sein." So etwas musste ich mir jeden Tag anhören, bis kein roter Fleck mehr an meinem Körper zu sehen war. Nach einer Woche war ich wieder topfit. Dann kannte mein Bewegungsdrang kein Halten mehr.

Die Chefin als Schriftstellerin